Weltklima: Ohnmächtige Politiker und macht­volle Völker

Eine Reflexion über die wahre Machtverteilung auf der be­drohten Erde und begründeten Optimismus vor dem Hinter­grund des Klimawandels


Das Klima unserer Welt wird nicht durch Klima-Konferenzen oder Entscheidungen gerettet, die rein auf politischer Ebene getroffen werden. Genauso wenig wird die Rettung des Klimas scheitern, nur weil Klima-Konferenzen und Politik scheitern an der Frage, wie die Klima-Probleme zu lösen sind. Denn es ist nicht in erster Linie die Politik, die den Lauf der Dinge erschafft. Es sind auch nicht unsere Wissenschaftler, unsere In­genieure oder unsere Umweltaktivisten. Es ist vielmehr diejenige Instanz, die all diese Personen überhaupt das tun lässt, was sie tun, beziehungsweise ihr Tun zu einem massenhaften Erfolg führen kann: es ist unser globales Bewusstsein, unser Wissen und Fühlen - und das daraus entstehende Wollen. Denn diesem erwächst unser millionenfaches Handeln und Entscheiden als Menschheit.

Wenn der Wissenschaftler Umwelttechnologien ersinnt, der Ingenieur sie baut, der Politiker sie sub­ventioniert und der Umweltaktivist sie predigt, dann hilft das gar nichts, wenn das Volk sich nicht dafür interessiert. Wenn aber das Volk z.B. nach nachhaltig produziertem Strom ruft, dann setzen sich der Wissenschaftler und der Ingenieur und der Politiker früher oder später in Bewegung. Das ist zwar plakativ formuliert, aber diese Vorstellung ist näher an der Realität der Ursache-Wirkungs-Beziehungen unserer (Um-)Welt als die Erwartung, unsere Staatsober­häupter und weitere Andere würden die Sache für uns richten.


Was alle angeht, können nur alle lösen. (Friedrich Dürren­matt)

Im Räderwerk einer möglichen Heilung unseres Planeten sind das Bewusstsein der Massen für die globalen Zusammenhänge sowie ihr Mitgefühl mit einer wunden Welt die größten aller Zahnräder. Konferenzen und Gesetzgebung drehen sich da im Vergleich bescheiden. Dennoch sind auch diese manchmal von Wert. Schließlich sind zum einen auch kleinere Zahnräder einflussnehmend, zum anderen aber bringen politische Debatten, gerade solche auf der Weltbühne, die Umweltthematiken immer wieder in die Medien und damit in das besagte öffentliche, kollektive Bewusstsein. Und gerade dann, wenn sie ergebnislos verlaufen, fordern sie den Einzelnen indirekt dazu auf, seinen eigenen Willen zu definieren und zu äußern, und die eigene Verantwortung nicht zu sehr an Entscheidungsträger abzugeben, die oftmals nicht zielführend oder auch gar nicht entscheiden. Und die weltweiten Aktionen, Demonstrationen, Petitionen und Appel­le, die insbesondere die größeren Umwelt­konferenzen der letzten Jahre begleiten, zeugen davon, dass die Öffentlichkeit dies zunehmend genauso und sich selbst somit in der Eigenverantwortung sieht.


ergrünendes Bewusstsein

Würde Umweltbewusstsein grün leuchten, dann würde unsere Welt immer grüner werden, und auch ohne in konkreten Zahlen messbar zu sein, ist diese globale Bewusstseins-Färbung das Wesentliche, denn gerade sie er­schafft messbare Zahlen – vielleicht langsam, aber nachhaltig. Nun gilt es, die anderen großen Zahnräder im Uhrwerk der Welt weiter zu drehen und an ihren Er­folg zu glauben. Denn wer stattdessen glaubt, das Klima ginge ohnehin unter und mit ihm die Welt, der -vereinfacht formu­liert- abonniert auch keinen Ökostrom und trägt somit zum Untergang bei -also zur Realisierung sei­nes Glaubens. Ebenso handelt wohl der, der keine Liebe für die Welt empfindet. Doch je tiefer das Bewusstsein für die Einheit aller Dinge reicht, je tiefer unser Mitgefühl für und unsere Freude an der Welt sind, auf der wir gehen, und je größer das Selbstvertrauen des Einzelnen in die eigene Kraft innerhalb der Gesamtschwingung aller Kräfte ist, desto stärker ziehen wir das Ruder herum. Weg von dem Glauben, dass die Erde eine Scheibe ist und wir bald ins Nichts stürzen werden, weil wir die Richtung nicht ändern könnten, und hin zu der Erkenntnis, dass neue Ufer auf uns warten, wenn wir unser Vertrauen, unseren Mut, unseren Verstand, unsere gebündelten Kräfte und die Ster­ne dafür nutzen.


wir sind auf dem Weg

Viele haben begonnen, das zu tun. Die Bewegung derer, die anders fühlen und denken als ewige Skeptiker und Pessimisten, wächst. Bio wächst. Ökostrom boomt. Das Interesse an der Nachhaltig­keit der Dinge steigt. Heute gibt es Flugzeugsessel und Notebookgehäuse, die kompostierbar sind. Nachhaltige Technologien stehen im medialen Interesse und finden immer größeren Einsatz. Selbst alteingesessene „Kohleverbrenner“ bauen milliarden­schwere Solaranlagen. Zwar ist der Ist-Zustand all dessen noch wenig befriedigend, aber noch vor 5 Jahren wären die Zahlen, die heute Hoffnung bringende Realität sind, gar nicht vorstellbar gewesen. Außer unter Optimisten. Und zu denen gehö­re ich. Nicht weil ich keine Fakten analysieren könnte, sondern weil ich meinen Blick nicht von ih­nen verstellen lasse. Tendenzen und Richtungen sind langfristig stets entscheidender als aktuelle Zustände. Was vor Jahren in einen Boden gepflanzt wurde, bestimmt das Heute. Doch was heute nachwächst, bestimmt das Morgen. Und auf lange Sicht sind es die Gesinnungen der Massen, die Erde als Ganzes bestellen.

Wer diese Entwicklungen zwar sieht, aber glaubt, sie kämen zu spät, um unsere Heimat Erde und uns selbst noch zu retten, dem möchte ich sagen: Ich glaube nicht, dass das Schicksal ei­ner solchen Schöpfung wie der Erde oder der Menschheit gerade jetzt besiegelt sein sollte - gerade in den Jahren, in denen auch die moderne und zwischen­zeitlich so natur-entfremdete Menschheit sich selbst und ihre Welt zu achten beginnt. Ich glaube es deshalb nicht, weil ich zum einen unseren Planeten nicht für einen zufälligen Klumpen im Universum halte sondern für eine von höherer Ebe­ne zum Leben bestimmte Welt, und uns Menschen nicht für rein biologische Produkte aus DNA und günstigen Nahrungsbedingungen sondern für Wesen, die hier etwas zu lernen und zu tun haben. Und zum anderen weil mein Herz mir sagt, dass eine neue Zeit anbricht, die eben nicht dem Unter­gang entgegengeht sondern dem Aufstieg.

Ich freue mich auf die nächsten zehn Jahre. Und wir werden umweltpolitisch weiter kommen, als die meisten denken. Sogar in Zahlen. Wetten?



 

© Arno Hohensee

www.beseelte-worte.de

 

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