Enttäuschung - ursprünglich kein Gefühl


Das Gefühl der Enttäuschung kommt zustande, wenn wir im Vorfeld einer Situation eine positive Erwartungs­haltung an sie hatten, die sich dann in der Situation aber nicht bestätigt. Oder wenn wir noch im Vorfeld unsere Erwartungs­haltung an die kommende Situation durch eine weniger positive ersetzen (müssen).

Im Verlauf einer Enttäuschung nehmen wir also zunächst an, dass wir mit einem Teil unserer Welt (z.B. einem Menschen, einem Job, uns selbst etc.) ein angenehmes Erleben haben werden (z.B. sich freuen; unterstützt werden; geachtet sein etc.). Dann aber bringt das konkrete Erleben dieses Teils unserer Welt nicht das erwartete Empfinden hervor sondern eines, das wir als weniger positiv bewerten. Somit hält uns die Wirklich­keit vor Augen, dass unsere Erwartungs­haltung eine (Selbst-)Täuschung war, und diese Täuschung wird aufgehoben. Wir werden also ent-täuscht = von unserer Selbsttäuschung befreit. (Anmerkung: Oftmals wird die alte Täuschung durch eine neue ersetzt, die ggf. etwas näher an der Wirklichkeit liegt.)

Der sehr gefühlsbezogene Begriff der Ent-täuschung ist also ursprünglich gefühlsneutral und beschreibt von seinem Wortaufbau her eher einen Vorgang. So könnte also auch eine als sehr negativ erwartete Erfahrung ent-täuschen, wenn wir sie dann doch als sehr positiv bewerten. In diesem Sinn aber findet der Begriff „Enttäuschung“ keine Verwendung, da wir das Wort über die negative Gefühls­komponente definieren, nicht über den Sachgehalt. Dieser aber wäre zunächst einmal zu begrüßen, da die Aufhebung einer (Selbst-)Täuschung von Wert sein kann, wenngleich sie anfänglich unerfreulich sein mag. Schließlich ist es nötig, unsere Lebens­situationen und unsere Vorstellungen von Täuschungen zu befreien, um bestmöglich zu entscheiden, wie für unsere Ziele zu handeln ist.



 

Anmerkung: Lesen Sie hierzu auch den Beitrag "Enttäuschung - selbst erschaffen / selbst gemanagt" aus der Rubrik "Lebensreflexionen".



© Arno Hohensee

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