Nutzen, Wert, Reichtum – ganzheitlich definiert

Themen-Gleichnis:

Der Account-Manager und der Personal­berater einer Firma kommen aus ihren Urlauben zurück. Der Personal­berater fragt den Account-Manager, welchen Wert dessen Urlaub gehabt hätte. „3.700 Euro“, antwortet der Account-Manager und fragt zurück: „Und welchen Wert hatte Deiner?“. „Ich fühle mich sehr erholt und bin viel ruhiger und klarer als vorher. Außerdem haben meine Rücken­schmerzen nachgelassen, und ich habe ein paar wichtige Fragen für mich beantworten können.“, entgegnet der Berater gelassen und fügt nach einem kurzen Augen­blick offen hinzu: „Außerdem habe ich einen langen Zwist mit meiner Frau beilegen können. Der Urlaub war wirklich Gold wert. - Und noch dazu war er günstig.“.


Definitionen

Nutzen:

Der Nutzen einer Sache ist die Gesamtheit ihrer gewünschten bzw. als positiv bewer­teten Wir­kungen.

(Der Nutzen eines Hammers ist der, dass er zum Beispiel beim Aufhängen von Bildern den Nagel in die Wand befördert. / Der Nutzen von Freund­lich­keit ist u.a. der, dass sie zwischen­mensch­liche Türen öffnet und Hilfs­bereit­schaft weckt.)

 

Wert:

Der Wert einer Sache ist die Summe all ihrer Möglich­keiten, Nutzen zu bringen. Anders: Wert ist das Nutzens­poten­zial bzw. die Gesamtheit des abrufbaren Nutzens einer Sache.

(Ein Auto in der Garage ist zwar derzeit ohne Nutzen, hat aber Wert, da es zu nutzen verfügbar ist. / Freund­lich­keit ist eine Persön­lichkeits-Eigen­schaft mit Wert, auch wenn man gerade allein ist und sie momentan keinen Nutzen bringt.)

Reichtum:

Reichtum ist das Maß an Wert(en), über das ich verfügen kann; also die Summe allen Nutzens, den ich abrufen kann.

(Große Geldwerte lassen sich direkt in Güter und Dienst­leistun­gen von Nutzen eintau­schen. / Wertvolle Persön­lichkeits–Eigen­schaft zu besitzen, kann sehr nützlich sein, daher tragen auch sie zum Reichtum bei. / Materielle Güter können Nutzens­poten­ziale haben, sofern ich sie nutz­bringend einsetzen kann. Anderen­falls allerdings sind sie wertlos und nur schein­barer Reichtum.)

 

Nutzen, Wert, Reichtum - eine Frage des Bewusst­seins und der Ziele

Wenn die Begriffe Reichtum, Wert und Nutzen letztlich zurück­zu­führen sind auf die „gewün­schten bzw. als positiv bewer­teten Wirkungen“ einer Sache, stellt sich zunächst die Frage: Wann ist denn eine Wirkung erwünscht oder positiv? Und wann ist etwas überhaupt eine Wirkung?

Beginnen wir mit letz­terer Frage. Was eine Wirkung an sich ist, braucht wohl nicht näher erläutert zu werden. Wann wir etwas aber überhaupt als Wirkung einer Sache erkennen, hängt von unserer Wahrnehmung ab: Ob ich eine unlieb­same Situation auch als Wirkung und Folge meines eigenen Handelns erkenne, hängt davon ab, ob ich das wahrnehme. Tue ich das nicht, halte ich mein eigenes Handeln vielleicht fälsch­licher Weise immer noch für 'nützlich' und 'wertvoll'.

Es gilt also: Je voll­ständiger und klarer meine Betrachtung von mir selbst und den Dingen ist, desto ganzheit­licher nehme ich die -möglichen- Wirkungen der Dinge auf mein Leben wahr.

Ein weiteres Beispiel: Eine günstige Wohnung kann für den Mieter insgesamt doch recht teuer sein. Dann nämlich, wenn sie den Arbeitsweg verlängert oder sich der Mieter in ihr so unwohl fühlt, dass er häufiger auswärts essen geht, sich zuhause weniger gut entspannt und schläft und aufgrund dessen wiederum häufiger Fehl­entschei­dungen trifft, die ihrerseits wiederum Zeit und Geld kosten. Wenn der Mieter aber seinen Blick für diese Wirkungs-Zusammen­hänge öffnet, erkennt er seine scheinbar günstige Wohnung als indirekt kostspielig - und kann daher eine andere, etwas teurere Wohnung als möglicher­weise doch günstiger und nütz­licher erkennen in ihrer Wirkung auf seine Finanzen.

Zur anderen Frage: Wann ist eine Wirkung ein 'Nutzen', also gewünscht und positiv?

Wir bewerten eine Wirkung dann als gewünscht bzw. positiv, wenn sie uns darin unter­stützt, unsere Ziele und Wünsche zu erreichen. Wenn wir uns beispiels­weise entspannen wollen, kann sehr ruhige Musik dafür nützlich sein, ihre Wirkung wäre gewünscht. Wenn wir hingegen tanzen möchten, ist sehr ruhige Musik vermutlich nicht nützlich - sie wäre in diesem Kontext nicht erwünscht und ohne Wert für unser Ziel.

Zudem gilt auch bei der Frage der Nützlich­keit wiederum: Je ganzheit­licher ich meine Ziele im Leben definiere und je ganzheit­licher meine Wünsche angelegt sind, desto ganzheit­licher hinter­frage und definiere ich ent­sprechend den Nutzen der Dinge. Der oben erwähnte Mieter der scheinbar günstigen Wohnung hätte diese wohl erst gar nicht bezogen, hätte er sie und ihre Wirkungen auf sich ganzheit­licher einge­schätzt.

Insgesamt also sind 'Nutzen' und dadurch auch 'Wert' und 'Reichtum' subjek­tive Bewer­tungen, die von den persön­lichen Prior­itäten und insbe­sondere von der Weite der Wahr­nehmung und des Bewusst­seins abhängen.


 

Anmerkungen zum Geldwert

Geld an sich ist nutzlos, da wir es zu nichts direkt verwenden können. Aber es hat sich bewährt, da wir es gegen Dinge eintau­schen können, die uns Nutzen bringen können. Sein Wert ist also ein reiner Tauschwert. Wir entschei­den uns wohl immer dann für diesen Tausch bzw. den Kauf einer Sache, wenn uns deren Wert, also ihr poten­zieller Nutzen für uns, größer erscheint als der Tausch­wert des Geldbe­trages, den wir dafür ausgeben.


 

Anmerkungen zu sogenannten 'Werten' (z.B. 'innere Werte')

Anstatt zu sagen, eine Sache „hat Wert“, wird auch gerne formuliert, eine Sache „ist ein Wert“ (z.B.: „Ein Haus ist ein Wert.“). Dies wird bei Dingen getan, die allg­emein aner­kannter Weise praktisch immer Wert haben, also für fast jeden in vielen Situa­tionen nützlich wären.

Dies gilt für mater­ielle Besitz-Werte ebenso wie beispiels­weise für Persön­lichkeits-Werte (auch 'Tugenden' genannt, z.B. Freundlichkeit, Ehrlichkeit, Klarheit, Gelassenheit, Sparsamkeit, Mut…). Umgekehrt würde wohl niemand eine Eigenschaft wie 'Vergess­lichkeit' oder ein bau­fälliges Haus als einen 'Wert' bezeichnen, da davon die meisten Menschen in den meisten Situa­tionen eher Nachteile als Nutzen hätten.



© Arno Hohensee

www.beseelte-worte.de

 

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